Aschacher Mautprotokolle

Dann gesetzt / es wäre durchgehends ein general klagen im lande wegen abgang und abnehmen des handels / niemand wüste aber / wo es stecke / oder wo der fehler wäre / obgleich den schaden iederman fühlete / so schlaget das mauth=register auff / wie de præsenti die ab= und zuführen aller dinge noch stehen / und welche von denen ab= oder zugenommen haben […].
(Wilhelm von Schröder, 1686)

aschach

Rechnungsbücher über Mauteinnahmen wie die bekannten Sundzollregister stellen erstrangige Quellen zur Erforschung des Handels in der Frühen Neuzeit dar. Für die österreichischen Länder nehmen die im Oberösterreichischen Landesarchiv (Linz), Depot Harrach, überlieferten Aschacher Mautprotokolle eine überragende Stellung ein. Dieser Bestand von 194 Bänden, der den Zeitraum von 1627 bis 1775 umfasst, konnte bisher wegen seines immensen Umfangs und fehlender Indices nicht systematisch ausgewertet werden. Die chronologisch aufgebauten Bücher enthalten Datum, Name und Herkunft der Schiff- bzw. Floßführer, Umfang und Namen der Besitzer/Empfänger der transportierten Güter sowie Angaben zu den Passagieren. Das vorhandene Datenmaterial bietet detaillierte Informationen zu den Akteuren des Transports und Warenhandels auf der Oberen Donau, zu Wirtschaftsbeziehungen, Konsumverhalten, Handelskonjunkturen im süddeutsch-österreichischen Raum sowie zur Migration ins Königreich Ungarn. Seit 2013 werden die erhaltenen Mautprotokolle für den Zeitraum von 1706 bis 1740 bearbeitet. Die Bände wurden vollständig digitalisiert und werden nach erfolgter Dateneingabe und -kontrolle mit Hilfe einer online verfügbaren Datenbank durchsucht werden können. Eine zusätzliche Sicherung der Daten erfolgt über das Langzeitarchivierungssystem Phaidra der Universität Wien. Weiterführende Literatur: Peter Rauscher, Die Aschacher Mautprotokolle als Quelle des Donauhandels (17./18. Jahrhundert), in: Peter Rauscher–Andrea Serles (Hg.), Wiegen – Zählen – Registrieren. Handelsgeschichtliche Massenquellen und die Erforschung mitteleuropäischer Märkte (13.–18. Jahrhundert) (Beiträge zur Geschichte der Städte Mitteleuropas 25, Innsbruck–Wien–Bozen 2015) 255–306.